Das Leben des Sinns


Etwas sinnvoll finden – das ist wahrscheinlich den Meisten bekannt. Wenn etwas so richtig Sinn für mich macht, gibt es natürlich auch keinen Grund zu hinterfragen oder zu zweifeln. Dann ist alles gerade genau richtig so wie es ist. Das Pendant dazu sind die Momente der Sinnsuche. Sei es die Suche nach dem Sinn in der täglichen Arbeit, in der Beziehung, ganz umfassend des Lebens oder vielleicht des Universums. Das Gefühl, welches dabei mitunter wahrnehmbar werden kann, beschreiben Attribute wie Leere, Einsamkeit oder Traurigkeit vielleicht ganz gut. Gleichzeitig sind diese unbequemen Aspekte die Brücke zurück zu jedwedem Sinn. Zahlreiche Menschen haben sich bereits in noch zahlreicheren Büchern damit befasst und es gibt noch multizahlreichere Möglichkeiten, den eigenen Sinn in etwas zu finden. Ich möchte das Thema heute aus meiner Perspektive genauer beleuchten. Dazu stelle ich folgende Frage: „Was ist das Leben des Sinns?“ Ich bin gespannt.

Der Sinn erwächst per se durch die Zuordnungen von Funktionen in Handlungen oder Betrachtungen sowie durch Dinge, bei und mit denen ich mich als Mensch identifiziere und wohlfühle, die mir Freude bereiten oder die mich kreativ oder schöpferisch erfüllen. Über mein eigenes Bezugs- und Wertesystem hinaus hat alles, was es gibt, einen Sinn, auch wenn es vielleicht nicht mit meinen Zuordnungen und meiner Wertschablone übereinstimmt und ich es dadurch nicht gleich erkennen kann. Mancher Sinn ist so umfassend, dass er verschiedenste Ereignisse, auch über große Zeiträume umspannt. Andere erscheinen so dermaßen sinnlos, dass der Sinn sich nur aus einem höheren Bewusstsein und/oder als kollektive Erfahrung erkennen lässt. Da fallen mir gleich einige Sachen ein … sowas wie Mord, Kriege, Missbrauch oder Katastrophen zum Beispiel. Das sind allerdings meist menschengemachte Tragödien, die uns auch deswegen so sinnlos erscheinen, weil sie so wider die natürlichen Empfindungen sind. Es könnte sein, dass letzteres einen Teil in dir zur Rebellion führt, da bestimmte Erfahrungen einfach nicht wünschenswert sind und selbst nicht erlebt werden wollen. Ich möchte damit auch auf keinen Fall die dramatischen und traumatischen zwischenmenschlichen Auswirkungen schmälern oder rechtfertigen, das sei ausdrücklich betont. Natürlich wäre es auch für mich eine sehr harte und traumatische Erfahrung, wenn eines meiner Kinder zu Schaden kommt, meine Freundin stirbt oder ich in einen Krieg ziehen müsste. Gleichwohl komprimiert die Zeit die Ereignisse, und die vielen Einzelschicksale oder Gruppenerfahrungen verschmelzen zu einer Essenz auf dem Zeitstrahl der Geschichte. Dann rede ich vielleicht noch vom 30-jährigen Krieg und habe gleichzeitig keine Ahnung, was da im Detail passierte. Genau dieses Herauszoomen aus den Details ermöglicht aber erst das Erkennen der Folgen, aus denen ein kausaler Sinn entsteht, der nur in der Rückschau erfassbar wird.

Ich bin persönlich auch der Meinung, dass alles seinen Sinn hat. Und auch mir geht es so, dass ich vieles doof oder überflüssig und nicht förderlich oder hilfreich finde. Nicht für den einzelnen Menschen, auch nicht für die Gesellschaft und erst recht nicht für die Menschheit. Jedoch wurde für mich durch das Durchschauen der polaren Zusammenhänge auf unserer Erde sowie so einiger Handlungsweisen des Egos sehr vieles sicht- bzw. nachvollziehbar.

So macht es für mich durchaus Sinn, dass sich Elektronen, Protonen und Neutronen um einen Kern bewegen, genauso wie die Erde und andere Planeten sich um die Sonne drehen.

Ich finde es sinnvoll, dass ich hoch muss, um Tiefe zu erkennen, dass ich schlafen muss, um Wachheit zu erfahren oder dass ich mich klein fühle, um meine Größe entdecken zu können.

Ich finde es auch sinnvoll, dass sich Zellen teilen oder eben absterben, damit die polaren Gegensätze Leben und Tod zum Ausdruck kommen können. Es würde nicht funktionieren, wenn es nur einen Pol davon geben würde.

Es macht auch Sinn für mich (mittlerweile) durch die Widrigkeiten des Egos zu entdecken, dass ich nicht das Ego bin, sondern eine vielschichtige Ansammlung und Identifikation von biografisch-sozialen Einflüssen. Erst diese Erkenntnis ermöglicht mir eine neue Version von mir zu erschaffen.

Es macht auch Sinn für mich, immer wieder darüber zu schreiben, wie ich die Dinge sehe oder infrage stelle etc. Es erfüllt mich, einfach meine Ideen und Ansichten zu teilen. Und es hilft mir, wohlwollende und für mich hilfreiche Werte in meinem Leben zu kultivieren. Ich finde es großartig Unbewusstes bewusst zu machen. Und mich erfüllt es auch, mit meinen Erfahrungen interessierten Menschen im Coaching eine Art Wegweiser und Begleiter sein zu dürfen.



Diese Aufzählung könnte ich noch mit so vielen sinnvollen Punkten fortführen … möchte ich jetzt aber nicht, da mich interessiert, was für dich Sinn macht oder erfüllend ist … oder eben sinnlos. Gern kannst du dazu einen Kommentar schreiben oder, wenn es dir lieber ist, auch eine E-Mail.

Mein Fazit ist: Die Sinnsuche ist eigentlich das Sinngeben. Es liegt in der Verantwortung von jedem Einzelnen zu überprüfen, was für ihn Sinn macht oder eben nicht. Der umfassende oder übergeordnete Sinn hinter allem ist und bleibt für mich die Schöpfung selbst. Dieser Sinn ist verstandesmäßig nicht zu erfassen, da er außerhalb der begrenzten Wahrnehmung und Gesetzmäßigkeiten zuhause ist. Innerhalb der Schöpfung finden alle als sinnvoll und sinnlos empfundenen Wahrnehmungen ihren Platz. Das bietet gleichzeitig potenziell die Möglichkeit, alles verstehen und sich entwickeln oder auch Zustände verändern zu können. Die wachsende Bewusstheit in der Schöpfung ist für mich deswegen das Lohnendste und Sinnstiftendste. In diesem Prozess findet bzw. hat jeder seinen ewigen Platz. Und auch jeder trägt dazu bei, dass sich die Umstände und Gegebenheiten zum Wohle aller entwickeln. Das wird aus meiner Sicht mit der eigenen Entwicklung erreicht, welche dann ihren globalen Einfluss zur Folge hat. Bestimmte kollektive Zustände/Missstände lassen sich erst dann kollektiv lösen, wenn jeder beteiligte Part bewusster über sich und somit über das Alles-was-ist wird.

Vielen Dank fürs Lesen und wenn du magst Teilen oder Kommentieren.

Eine sinnvolle Zeit wünscht

Andreas

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