Auf die Wertung, fertig … loslassen


Bereits in meinen jungen Jahren des Lebens wurde sie geformt: meine eigene Bewertungsschablone – prototypisch hergestellt aus den Gussformen und Werten meiner Eltern sowie meines Umfeldes. Ergänzt und weiterentwickelt durch meine eigenen Wertvorstellungen und in enger Zusammenarbeit mit meinem ausgewachsenen Ego, entwickelte diese Schablone eine sehr dynamische Eigenständigkeit. Sinniger ausgedrückt verrichtet sie unbewusst ihr Tagwerk. Sie täuscht mitunter Offenheit vor und erschwert oft das Akzeptieren anderer Perspektiven oder Möglichkeiten. Das merke ich immer daran, dass ein Korrekturwunsch in mir auftaucht. Dieser soll dann die Situation so berichtigen, damit alle Aspekte durch meine Schablone passen und ich mich gut und richtig fühlen kann.

Diese Beschäftigung in mir, während eines Gespräches z. B., führt geradezu in die Unaufmerksamkeit oder Verschlossenheit. Der permanente Abgleich ist nicht nur für mich selbst anstrengend, sondern auch für mein Gegenüber. Denn, wenn ich in mir die Korrekturkeule schwinge, bleibt das natürlich auch nicht unbemerkt und verunsichert evtl. meinen Gesprächspartner. Das kann bis zu dem Punkt führen, an dem sich der Andere nicht mehr richtig fühlt und an sich zweifelt. Das ist Alltag. Und zu finden in sehr sehr vielen Dialogen, obwohl es strenggenommen Monologe sind, welche von zwei Bewertungsschablonen geführt werden.

 

Durch meine Schablone kommt gerade dieses Fazit: So gesehen sind die meisten Begegnungen oder Gespräche vorrangig von Bewertungen geprägt und wenig authentisch. Die wahrhaftigen Dialoge verbinden und berühren.

 

Ok, ich versuche es gleich nochmal mit der Botschaft, die ich transportieren möchte: Ich wünsche mir, dass viel mehr Begegnungen und Gespräche geprägt sind von Offenheit und Authentizität. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie verbindend und berührend wahrhaftige Dialoge sein können.

 

Auch, wenn ich mir dieser enorm subjektiven Blaupause in den letzten Jahren deutlich bewusster geworden bin, fühle ich mich nicht ganz befreit von ihr. Ich kann sie sehen und bei der Arbeit beobachten und auch wesentlich öfter die Dinge lassen wie sie sind. Ich bin weniger streng mit mir und ich setze den Korrekturstift immer öfter ab. Das fühlt sich gut an, und ich wünsche mir für mich, dass ich noch freier von meinen künstlichen Normen werde.

 

Kennst du das, und wie erlebst du das bei dir?

Eine offene und authentische Zeit wünscht

Andreas

Photo by Mel Elías on Unsplash

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